Die Freigabe neuer Dokumente über den gescheiterten Staatsstreich vom 23. Februar 1981 sorgt erneut für politische Diskussionen in Spanien. Aus den veröffentlichten Unterlagen geht hervor, dass der ehemalige König Juan Carlos I. eine wichtige Rolle bei der Verhinderung des Putsches gespielt hat. Dennoch dreht sich die Debatte nun vor allem um eine andere Frage: Sollte er nach Spanien zurückkehren?
Juan Carlos I. verließ Spanien im August 2020 und zog in die Vereinigten Arabischen Emirate. Dies geschah, nachdem mehrere Ermittlungen wegen möglicher Korruption und Finanzkonstrukten im Ausland eingeleitet worden waren. Dabei ging es unter anderem um mutmaßliche geheime Provisionen und ausländische Bankkonten. Obwohl einige Fälle später eingestellt wurden, war der öffentliche Druck groß. Um die Monarchie zu schützen und weiteren Reputationsschaden zu vermeiden, beschloss er laut Angaben des Königshauses selbst, vorübergehend ins Ausland zu gehen.
Nach Ansicht der Partido Popular muss der ehemalige König zurückkehren. Parteichef Alberto Núñez Feijóo ist der Meinung, dass die Dokumente belegen, dass Juan Carlos I. entscheidend zur Rettung der Demokratie beigetragen hat. Er sagt, dass der ehemalige König in seinen späteren Jahren Fehler gemacht habe, dass aber seine Rolle während des 23-F nicht vergessen werden dürfe. Deshalb sei eine Rückkehr logisch.
Die spanische Regierung hält sich bedeckt. Minister Félix Bolaños betont, dass die Entscheidung allein bei Juan Carlos I. liege. Nach Angaben der Regierung gab es nie ein offizielles Verbot seiner Rückkehr. Wenn er zurückkommen möchte, kann er das tun. Die Veröffentlichung der Dokumente soll laut Kabinett vor allem für mehr Klarheit darüber sorgen, was damals geschehen ist.
Von der linken Seite des politischen Spektrums kommt viel Kritik. Vertreter von Unidas Podemos und anderen Parteien sind der Meinung, dass die Diskussion über eine Rückkehr nicht wichtig ist. Sie plädieren vielmehr für mehr Transparenz und wollen ein neues Gesetz über Staatsgeheimnisse. Ihrer Meinung nach muss Spanien über die Rolle des ehemaligen Königs hinausblicken.
Auch von anderen Parteien kommen heftige Reaktionen. Izquierda Unida bezeichnet eine mögliche Rückkehr als unangemessen. ERC geht noch weiter und erklärt, dass jemand, der in juristische und moralische Skandale verwickelt ist, nicht einfach so zurückkehren dürfen sollte. Für sie ändert die Freigabe der Dokumente nichts am Bild des ehemaligen Königs.
EH Bildu ist der Meinung, dass Juan Carlos I. nur zurückkehren sollte, um sich für offene Fragen, darunter Korruptionsvorwürfe, zu verantworten. Außerdem sind sie der Ansicht, dass die jetzt freigegebenen Dokumente immer noch nicht die ganze Geschichte darüber erzählen, was sich in den Stunden vor dem Putsch abgespielt hat.
Die Freigabe der Archive wirft also ein neues Licht auf einen wichtigen Moment in der spanischen Geschichte, sorgt aber gleichzeitig für neue politische Spannungen. Die Rolle von Juan Carlos I. während des 23-F wird von einigen gelobt und von anderen stark kritisiert. Ob er tatsächlich nach Spanien zurückkehren wird, bleibt vorerst ungewiss.
Quelle: Agenturen





